Was kümmern mich meine Bewährungsauflagen

Ich frage mich manchmal, was in den Köpfen von einigen Mandanten vor sich geht.

Gerade wenn wiederholt Straftaten innerhalb der Bewährungszeit begangen werden, gehört einiges an Überzeugungsarbeit dazu, das Gericht noch ein Mal zu überreden dafür zu gewinnen, auch dieses (letzte) Mal zumindest noch eine Strafe auszusprechen, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Meistens ahnen es die Mandanten selbst, dass Taten während laufender Bewährung „irgendwie nicht gut“ sind, und dass es ernst wird. Die meisten arbeiten deshalb auch gut mit, und bringen alle benötigten Unterlagen vorbei, die irgendwie auf einen positiven Lebenswandel schließen lassen, um noch mit einer erneuten Bewährungsstrafe davon zu kommen. Bei vielen habe ich auch den Eindruck, dass wirklich etwas verändert werden soll.

Wenn dann das Verfahren gut ausgeht, und das Gericht von den günstigen Zukunftsprognosen des Mandanten überzeugt werden konnte, könnten eigentlich alle Beteiligten glücklich sein. Jetzt müssen nur noch die Bewährungsauflagen fristgerecht erfüllt werden, und alles wird gut

Es wird also eindringlich der Bewährungsbeschluss besprochen. Der Mandant bekommt alle wichtigen Adressen und Telefonnummern, und den „Rüffel“, dass er einrücken wird, wenn die Bewährungsauflagen nicht eingehalten werden. Wenn Probleme auftreten, soll er sich natürlich melden. Das Ganze könnte so entspannt laufen…

…wenn da nicht die liebe Mandantschaft wäre.

Traurig und enttäuschend ist es dann, wenn man miterleben muss, wie die Chance der Bewährung nicht genutzt wird, und alles dafür getan wird, damit die Bewährung widerrufen wird. Da werden Termine beim Bewährungshelfer verschlafen oder gleich gar nicht wahrgenommen, jegliche Mitarbeit verweigert oder die Arbeitsstunden nach dem dritten Tag abgebrochen. Wenn überhaupt, wird alles mit allerlei Erklärungen garniert, warum es nicht so geklappt hat, wie es geplant war. Manches Mal bekommt der Bewährungshelfer den Mandanten überhaupt nicht zu Gesicht, und man fragt sich, wozu man eigentlich für die Bewährung gekämpft hat…

Leider erfährt man von den nicht erfüllten Bewährungsauflagen meistens erst dann, wenn alles zu spät ist. Dann steht der Mandant mit dem Beschluss zum Bewährungswiderruf in der Tür – natürlich nach Ablauf der Beschwerdefrist – oder hält gleich die Ladung zum Haftantritt in den Händen; verbunden mit der verzweifelten Frage, ob „die“ ihn denn „einfach so“ in den Knast stecken können…

By | 2017-10-22T17:31:52+00:00 Dezember 8th, 2015|Tags: , |0 Comments

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