Anklage wegen 0,12 Gramm Cannabis

Nein, kein Schreibfehler. Die Staatsanwaltschaft hat meinen Mandanten tatsächlich wegen des Besitzes von  0,12g Marihuana – in Worten: Null Komma Eins Zwo Gramm – angeklagt.

0,12 Gramm!

Die Polizei hat bei meinem Mandanten – durch investigativen Spürsinn – an einer Dose in seiner Tasche Anhaftungen einer „grünen, pflanzlichen Substanz“ aufgefunden. Da wittert der gemeine Polizeibeamte Fährte und vermerkt sogleich: „vermutlich Cannabis!“

Es muss schon ein schwieriges Unterfangen gewesen sein, die 0,12g zu sichern und zu wiegen, ohne zumindest die gleiche Menge an Staub mit einzusammeln. Genauso schwierig dürfte es sein, das Ganze sicher bis in die Asservatenkammer zu transportieren, ohne alles versehentlich einzuatmen.

Anklage!

Nun hätte die Staatsanwaltschaft dem Ganzen ein Ende bereiten, und das Verfahren gegen meinen – bislang nicht vorbestraften – Mandanten einstellen können. „So geht das aber nicht!“, denkt der zuständig Staatsanwalt. Vielleicht aus ideelem Antrieb oder weil er der Ansicht ist, dass bei jemanden, der 0,12g besitzt noch mehr sein muss, wird eiskalt Anklage erhoben.

Mal sehen, was das Gericht von dem Ganzen hält.

Zumindest kein Handeltreiben…

Zwei Fragen habe ich noch im Kopf:

Wie um Himmels Willen kratzt man 0,12 Gramm zusammen?

Warum hat die Staatsanwaltschaft nicht gleich ein „Handeltreiben mit Betäubungsmitteln“ angenommen? Schließlich hatte mein Mandant auch Geld in „szenetypischer Stückelung“ dabei.

Und ja, das Ganze spielt in einer bayrischen Kleinstadt – In Bayern rangiert das Betäubungsmittelstrafrecht tatsächlich knapp unter Kapitalstrafsachen…

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