Erfahrungen & Bewertungen zu Rechtsanwalt Kujus

Blöd gelaufen

Und dann war da noch der Mandant, der für alle als Beispiel dienen sollte, warum es nie gut ausgehen kann, wenn man als Beschuldigter selbst eine Stellungnahme auf einer Anklageschrift abgibt.

Dieser Mandant kam zu mir, nachdem er sich in der ersten Hauptverhandlung umfangreich zu den Tatvorwürfen eingelassen hatte. Das führte schließlich dazu, dass nun ein deutlich erheblicherer Tatvorwurf im Raum steht und das Verfahren an das (höhere) Schöffengericht abgegeben worden ist.

Und wer darf es wieder richten? Richtig. Natürlich ich..

Anklage wegen eines sexuellen Übergriffs

Dem Mandanten wurde ursprünglich von der Staatsanwaltschaft Leipzig vorgeworfen, eine Freundin gegen ihren erkennbaren Willen mehrfach umarmt und ihr an den Po und die Brüste gefasst zu haben.

So weit, so unschön.

Dieser Vorfall wurde als „sexueller Übergriff“, strafbar nach § 177 Abs. 1 StGB, zum Amtsgericht Leipzig angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen hier Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Bei den allermeisten Mandanten klingeln spätestens nach Erhalt der Anklageschrift, und dem Googlen nach den vorgeworfenen Straftatbestände die Alarmglocken. Die meisten Angeklagten kontaktieren einen Verteidiger – was aufgrund der erhobenen Tatvorwürfe auch sinnvoll und empfehlenswert ist. Schließlich steht die eigene Freiheit auf dem Spiel.

Nicht so aber mein späterer Mandant.

Aussage in der Hauptverhandlung

Er zog es vor, in der Hauptverhandlung eine eigene Einlassung auf die Tatvorwürfe abzugeben.

Doch anstatt sich zu entlasten, belastete er sich weiter, und machte die Situation noch schlimmer. Nicht nur dass er die Anklage im Wesentlichen einräumte ( was nach Aktenlage nicht zwingend die beste Lösung war) – Nein, er gab auch noch an, dass er bei dem Vorfall handgreiflich wurde.

Spätestens nach diesen Worten muss der anwesende Staatsanwalt oder die anwesende Staatsanwältin hellhörig und ganz aufgeregt gewesen sein. Denn innerhalb weniger Sekunden hat sich der Tatvorwurf von einem „sexuellen Übergriff“ zu einer „sexuelle Nötigung“ nach § 177 Abs. 5 Nr. 1 StGB verschärft.

Verbrechen und Abgabe an das Schöffengericht

Da es sich bei der sexuellen Nötigung um ein Verbrechen handelt, droht im Falle einer Verurteilung nun eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bis hin zu 15 Jahren. Das Verfahren wurde vom Einzelrichter am Amtsgericht an das Schöffengericht abgegeben. Dieses ist mit einem Berufsrichter und zwei Schöffen besetzt.

Dieser ganze Schlamassel wurde mir schließlich bekannt, nachdem das Amtsgericht meinen Mandanten aufgefordert hatte, einen Verteidiger zu benennen.

Jetzt ist guter Rat teuer…

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