Catch me if you can – Falscher Rechtsanwalt vor Gericht

Im Film „Catch me if you can“ gelingt es Leonardo DiCaprio seinen Alltag als Scheckfälscher zu bestreiten und sich erfolgreich als Pilot, Arzt und Rechtsanwalt auszugeben. Aber auch in der Komödie kommen ihn die Ermittler irgendwann auf die Spur. 

Vielleicht etwas weniger spektakulär, aber dennoch hollywoodreif, ging es kürzlich vor dem Landgericht Köln zu. Dort wurde der Fall eines 35-jährigen verhandelt, der sich gegenüber Gerichten, Behörden und Mandanten jahrelang als promovierter Rechtsanwalt ausgegeben hat. Allerdings hatte der vermeintliche Jurist weder promoviert, noch eine Anwaltszulassung, geschweige denn jemals Jura studiert. Von Beruf ist der Angeklagte ausgebildeter Erzieher. Dennoch hat er Mandanten vor Gericht vertreten und fleißig Gebühren für seine Tätigkeit abgerechnet.

Darüber hinaus wurde ihm vorgeworfen, Fälle frei erfunden zu haben, die er gegenüber Rechtsschutzversicherungen abrechnete und hierfür Unterschriften gefälscht hat. 

Kein Einzelfall 

Derartige Geschichten sind dabei (leider) kein Einzelfall.

Immer wieder geben sich Personen für jemanden aus, der sie gar nicht sind. Besonders betroffen: Anwälte und Ärzte. Das gerade diese beiden Berufszweige Ziel von Hochstaplern sind, verwundert nicht. Gerade diese Berufsfelder genießen großes Ansehen und werden mit attraktiven Einkommen verbunden.

„Rechtsanwalt Schneider“

Im Jahr 2017 wurde ein damals 24-jähriger verurteilt, der sich als vermeintlicher Rechtsanwalt ausgab und versuchte, mit falschen Forderungen und Mahnbescheiden an Geld zu kommen. Gegenüber Gerichten hatte der „junge Anwalt“ teils erfolgreich Gelder wegen Beratungs- und Prozesskostenhilfe erhalten. Aufgeflogen ist er letztlich, als er als „Rechtsanwalt Schneider“ eine Mandantin vertrat, die sich gegen vermeintliche Forderung der Telekom in Höhe von 43 Millionen Euro wehrte. Der dieser Forderung zugrundeliegende Mahnbescheid stellte sich als gefälscht heraus.

Anwalt ohne Zulassung

Es kommt immer wieder vor, dass sich Personen als Anwälte ausgeben, ohne jemals Jura studiert zu habe. Oft handelt es sich um Studienabbrecher oder um ehemalige Anwälte, die ihre Zulassung verloren haben.

Letzteres ereignete sich beispielsweise bei einem damals 54-jährigen ehemaligen Anwalt, dessen Fall 2011 vor dem Amtsgericht Ebersberger verhandelt wurde. Der Ex-Anwalt verlor 2005 seine Zulassung, nachdem er wegen der Veruntreuung von Mandantengeldern verurteilt wurde. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, die Anwaltstätigkeit unter einem Pseudonym weiter auszuführen.

Falsche Ärzte: Von Denny H. bis Gert Postel

Ähnlich häufig berichten die Medien von Ärzten, die gar keine sind. Aufsehen erregte im Jahr 2016 etwa der Fall von Denny. H., der zuletzt auf einem Kreuzfahrtschiff jahrelang als Arzt tätig war. Der Krankenpfleger hatte nie Medizin studiert und entsprechende Arbeitszeugnisse gefälscht. In einem anderen Fall hatte sich der Friseur Klaus D. zum Chefarzt einer Kinder- und Rehabilitationsklinik hochgeschummelt. Fast 20 Jahre war er als Arzt aktiv.

Noch spektakulärer ist die Geschichte um Gert Postel, der u.a unter dem Pseudonym Dr. Bartholdyals als Arzt tätig war.

Ist die falsche Berufsbezeichnung strafbar?

Der Missbrauch eines Titels, einer Berufsbezeichnung und von Abzeichen steht in Deutschland unter Strafe. Zweck der der Strafvorschrift ist der Schutz der Allgemeinheit vor dem Auftreten von Personen, die sich durch Gebrauch von Bezeichnungen den Schein besonderer Funktionen, Fähigkeiten und Vertrauenswürdigkeit geben.

Das unberechtigte Auftreten unter bestimmten Berufsbezeichnungen, wie etwa als Rechtsanwalt oder Arzt, steht dabei genauso unter Strafe, wie das unberechtigte Führen akademischer Grade. Die entsprechende Vorschrift lässt sich in § 132a StGB finden.

Unter Strafe steht demnach das unbefugte führen von inländischen oder ausländischen Amts- oder Dienstbezeichnungen, akademischen Graden, Titelnoder öffentlichen Würden,wie auch das unbefugte führen von der Berufsbezeichnungen Arzt, Zahnarzt, Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut,Psychotherapeut,Tierarzt, Apotheker,Rechtsanwalt,Patentanwalt,Wirtschaftsprüfer,vereidigter Buchprüfer, Steuerberater oder Steuerbevollmächtigter.

Jahrelang nicht aufgefallen 

Im Fall vor dem Landgericht Köln soll der Angeklagte rund vier Jahre seine Anwaltstätigkeit ausgeführt haben. Entsprechend lang ist die Anklageschrift. Auf 17 Seiten lautet die Anklage gegen den 35-jährigen auf Betrug, Urkundenfälschung, Untreue und Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. 

Bedenkt man den Zeitraum, in dem sich der Herr unentdeckt als Anwalt ausgeben konnte, scheint die Maskerade nicht gerade schlecht gewesen zu sein. Ein paar grobe Schnitzer hat er sich dann aber wohl doch geleistet. So soll der Angeklagte den Briefkopf einer Köllner Kanzlei genutzt haben und unter zwei unterschiedlichen Namen aufgetreten sein. 

Letztlich wurde eine Richterin genau deswegen stutzig. Sie hatte innerhalb einer Woche in zwei unterschiedlichen Prozessen eben jenen „Rechtsanwalt“ vor sich sitzen. Nur eben jeweils mit unterschiedlichem Namen. 

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