Großeinsatz gegen Krypto-Miner

Mutmaßliche Stromdiebe in Sachsen

Ein Großaufgebot der Polizei hat Anfang Februar 2019 mehrere Objekte in Sachsen durchsucht. Laut Staatsanwaltschaft stehen 6 Personen im Verdacht, seit 2017 große Mengen Strom vom öffentlichen Energienetz abgezapft zu haben, um Mining-Anlagen zu betreiben.

Der Schaden des Energieversorgers soll sich auf 220.000 Euro belaufen. Drei der Personen wurden vorläufig festgenommen.

Krypto-Mining kostet Unmengen an Strom

Vereinfacht ausgedrückt, handelt es sich bei Krypto-Währungen – wie etwa Bitcoin – um dezentrale Zahlungssysteme. Die Übertragung einer Krypto-Währung erfolgt über einen Zusammenschluss von Rechnern über das Internet. Die Währungseinheiten werden in einem öffentlichen Transaktionsregister gespeichert. Man spricht von der sogenannten Blockchain.

Für jede Transaktion werden Rechenoperationen erforderlich, die das öffentliche Transaktionsregister erweitern. Mit der wachsenden Menge an Transaktionen und der Währung selbst, werden die Rechenoperationen fortwährend komplexer. Dieser Prozess schlägt sich in immer größer werdenden Anforderungen an Rechenzeit und -Leistung nieder. Damit geht letztlich ein wachsender Stromverbrauch einher.

Diejenigen, die Rechenleistung zur Durchführung der Rechenoperationen zur Verfügung stellen, erhalten die mit der Operation neugeschürfte Menge der Kryptowährung zur Belohnung. Das Krypto-Mining ist letztlich nur dort attraktiv, wo die so gewonnene Menge der jeweiligen Krypto-Währung die Kosten des Minings übersteigt.

Aufgrund des Wertverlustes bei vielen Kryptowährungen lohnt sich der Betrieb von Mining-Anlagen nur dort, wo es vergleichsweise günstige Strompreise gibt. Einige Schürfer umgehen dieses Problem, indem Sie mit Mining-Bots auf fremde Rechenleistung zugreifen oder Energie aus dem Stromnetz abzapfen.

Das Ergebnis der Durchsuchungen

Fündig wurden die insgesamt 121 Personen im Einsatz schließlich in Klingenthal.

Was Polizei, Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung vorgefunden haben, lässt sich durchaus sehen. Bei der Durchsuchung wurde u.a. eine Elektroinstallation zur Umgehung des Stromzählers vorgefunden. Ferner stießen die Beamten auf eine Computeranlage, bestehend aus 49 laufenden Rechnern. Davon sollen 30 Rechner spezielle Miningcomputer sein, die nur dem Schürfen von Kryptowährungen dienen. Insgesamt 80 Grafikarten waren in der Anlage verbaut.

Die Anlage soll in etwa soviel Energie wie 30 Haushalte verbrauchen.

Entziehung elektrischer Energie

Der Vorwurf gegenüber den Beschuldigten lautet auf „Entziehung elektrischer Energie“ – umgangssprachlich „Stromdiebstahl“ genannt.

Die passende Strafvorschrift wurde bereits 1900 in das Strafgesetzbuch eingeführt, nachdem das Reichsgericht feststellte, das Strom keine Sache ist und demnach nicht Gegenstand eines Diebstahls sein kann. In seiner heutigen Form ist die Entziehung elektrischer Energie in § 248c StGB geregelt und lautet wie folgt:

(1) Wer einer elektrischen Anlage oder Einrichtung fremde elektrische Energie mittels eines Leiters entzieht, der zur ordnungsmäßigen Entnahme von Energie aus der Anlage oder Einrichtung nicht bestimmt ist, wird, wenn er die Handlung in der Absicht begeht, die elektrische Energie sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) Die §§ 247 und 248a gelten entsprechend.

(4) Wird die in Absatz 1 bezeichnete Handlung in der Absicht begangen, einem anderen rechtswidrig Schaden zuzufügen, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe. Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt.

Strafrechtliche Konsequenzen

Die Entziehung elektrischer Energie wird mit Freiheitsstrafe bis maximal fünf Jahre oder Geldstrafe geahndet. Ferner kann die Mining-Anlage als Tatmittel und auch die geschürften Kryptowährungen als Tatertrag eingezogen werden.

(Sobald uns zu diesem Verfahren weitere Informationen vorliegen, werden wir den Artikel entsprechend anpassen.)

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