Telefonstreich war gestern – Das Phänomen „Swatting“

Jeder kennt die guten, alten Telefonstreiche.  Seit jeher werden sie von Kindern und Jugendlichen praktiziert, und rufen die unterschiedlichsten Reaktionen – von einem Schmunzeln bis zu einem Kopfschütteln – hervor. Teilweise werden sie zur allgemeinen Erheiterung in Radio- oder Fernsehsendungen aufgegriffen.

Nicht neu ist, dass der vermeintliche Scherz oft gar nicht so witzig ist, und massiv – man mag hier an „spaßige“ Bombendrohungen denken – über die Stränge schlägt.

„Swatting“ – Der moderne Telefonstreich

Manch einem scheint aber selbst das nicht zu reichen. Die Königsdisziplin nennt sich neuerdings „Swatting“.

Beim Swatting wird ein Notfall mit dem Ziel vorgetäuscht, dass es zu einem Einsatz von Rettungskräften oder polizeilichen Spezialeinheiten bei anderen – nichts ahnenden – Personen kommt. Der Begriff leitet sich von der US-Amerikanischen Spezialeinheit SWAT (Special Weapons And Tactics) ab.

Wie so mancher strafrechtlich relevanter Trend der letzten Jahre hat auch dieses Phänomen in Zeiten weltweiter Vernetzung und Social Media eine schnelle Verbreitung gefunden. Anfangs waren verbreitete Ziele des Swattings zumeist öffentliche Einrichtungen oder Prominente.

Schlagartig ein Großeinsatz

Inzwischen werden auch verstärkt unbekanntere Personen der Online-Community, wie Streamer oder Online-Gamer, Opfer dieses gefährlichen Trends.

So kommt es vor, dass die Anschrift eines Kontrahenten unter Computerspielern im Zusammenhang mit vermeintlichen Bränden oder schweren Gewalttaten gemeldet wird. Häufig trifft es Personen, die einen Streaming-Kanal betreiben.

Oft ist es nicht einmal schwer, den Aufenthalt von Streamern zu ermitteln. Viele geben diesen sogar Ihren Zuschauern preis – in anderen Fällen ermitteln Zuschauer durch sogenanntes „Stream-Sniping“ selbst, wo das Video gerade aufgenommen wird.

Die Besonderheit: Die Person hinter dem vermeintlichen Notfall kann am Bildschirm mitverfolgen, wie ein Einsatz das unvorbereitete Opfer trifft. Action per Webcam also. Die Motive reichen von Langeweile, Rache bis hin zu purer Belustigung.

Rechtliche Einordnung

In Deutschland stellt das Swatting einen „Missbrauch von Notrufen“ nach § 145 StGB dar, und wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe geahndet.

Die Vorschrift lautet:

(1) Wer absichtlich oder wissentlich

1.Notrufe oder Notzeichen mißbraucht oder

2.vortäuscht, daß wegen eines Unglücksfalles oder wegen gemeiner Gefahr oder Not die Hilfe anderer erforderlich sei,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Kommen darüber hinaus noch Menschen zu Schaden oder werden andere Straftatbestände verwirklicht, kann dies freilich eine höhere Strafe nach sich ziehen.

Dabei spielt es in der Regel auch keine Rolle, ob das Ganze „nur als Scher“ gemeint war.

Bekannte Fälle

In den USA wurde ein Unbeteiligter im Dezember 2017 bei einem durch Swatting hervorgerufenen Polizeieinsatz getötet (s. u.a. hier) Dem Einsatz vorangegangen war ein Streit zweier Computerspieler.

Der erste Swatting-Fall in Deutschland wurde vor dem 2016 vor dem Oberlandesgericht München verhandelt. Ein damals 25-Jähriger hatte bei dem Streamer „Drachenlord“ einen Großeinsatz ausgelöst. Mehr als 100 Feuerwehrleute und 2 Streifenwagen und 2 Rettungswagen standen auf einmal in einem mittelfränkischen Dorf. Das Urteil lautete u.a. wegen Mißbrauch von Notrufen Freiheitsstrafe von drei Jahren und fünf Monaten (s. u.a. hier).

Durch die zunehmende Vernetzung und mit dem Gefühl vermeintlicher Anonymität aus hinter den Bildschirmen wird es wohl nicht das letzte Mal gewesen sein, dass man von diesem Phänomen hört – was nicht zuletzt die Vielzahl von „Swatting-Videos“ auf Youtube beweist.

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