Körperverletzung

Der Grundtatbestand der Körperverletzung ist in § 223 StGB geregelt. Hierin heißt es:

(1) Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

Einfache, schwere, gefährliche und fahrlässige Körperverletzung

Die einfache Körperverletzung – umgangssprachlich auch „leichte Körperverletzung“ genannt – ist nur ein Delikt aus dem Bereich der gesamten Körperverletzungsdelikte. Diese Deliktsgruppe fasst mehrere Strafnormen zusammen, die sich gegen die körperliche Unversehrtheit richten. Die einfache Körperverletzung ist daher zu unterscheiden von der:

Diese Formen der Körperverletzung sind an besondere strafschärfende oder strafmildernde Umstände geknüpft – Etwa der Verwendung von Waffen, der gemeinschaftlichen Begehung oder dem Eintritt von besonders schweren Verletzungen.

Was ist eine Körperverletzung?

Die einfache Körperverletzung verlangt eine körperliche Misshandlung oder eine Gesundheitsschädigung.

Körperliche Misshandlung

Eine körperliche Misshandlung ist jede üble und unangemessene Behandlung, die das Wohlbefinden oder die körperliche Unversehrtheit der anderen Person nicht nur unwesentlich beeinträchtigt.

Eine körperliche Misshandlung liegt sowohl bei einer Ohrfeige, einem Tritt, Tritt, Stoß oder Schlag, einem Anrempeln oder Kratzen vor. Das Opfer muss zwar keinen konkreten Schmerz empfinden, allerdings liegt eine Körperverletzung in jedem Fall vor, wenn die Handlung Prellungen, Platzwunden, Schwellungen, Schürfungen, Schnitte oder Hämatome (sog. „blaue Flecke“) eingetreten sind. Nach der Rechtsprechung ist auch das Abschneiden von Haaren strafbar.

Eine „psychische Körperverletzung“ ist nach dem deutschen Recht nur unter Strafe gestellt, wenn sich die psychische Beeinträchtigung direkt auf das körperliche Wohlbefinden des Opfers auswirkt. Dies ist etwa beim Erbrechen oder dem Hervorrufen von dauernder Schlaflosigkeit und von Angstzuständen der Fall.

Eine Körperverletzung kann auch durch Unterlassen begangen werden – etwa durch das Vorenthalten von Nahrung oder Getränken.

Gesundheitsschädigung

Eine Gesundheitsschädigung liegt bei jedem Hervorrufen oder Steigern eines pathologischen – krankhaften – Zustandes vor.

Diese Tatbestandsalternative ist bspw. durch das Verabreichen von Alkohol, Betäubungsmitteln oder das Anstecken mit Krankheiten (z.B. HIV) verwirklicht.

Die Tatbestände der körperlichen Misshandlung und der Gesundheitsschädigung gehen oft ineinander über, sodass eine klare Trennung kaum vorgenommen werden kann, und im Einzelnen höchst umstritten ist.

Vorsatz

Die einfache oder leichte Körperverletzung erfordert einen Vorsatz des Täters. Der Täter muss wissentlich und willentlich gehandelt haben. Umangssprachlich hört man oft: „Er hat bewusst gehandelt.“

Kann dem Beschuldigten nur Fahrlässigkeit zur Last gelegt werden, liegt keine vorsätzliche einfache Körperverletzung vor. Es wäre dann nur eine fahrlässige Körperverletzung einschlägig. Die ist häufig bei Verkehrsunfällen der Fall.

Einwilligung

Das Opfer kann in die Körperverletzung einwilligen. Diese Einwilligung führt dazu, dass sich der Täter nicht strafbar macht.

Die Einwilligung muss bei vollem Verständnis der Sachlage erfolgt und nicht erschlichen worden sein. Möglich sind Einwilligungen z.B. bei Eingriffen von Ärzten, beim Fußballspiel sowie anderen Sportarten (Boxen, Karate etc.), aber auch bei bestimmten Sexualpraktiken.

Körperverletzung: Strafe

Die einfache Körperverletzung wird mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren geahndet.

Die konkrete Strafe im Einzelfall hängt von der Art der Tatbegehung, der Schwere und Intensität der hervorgerufenen Verletzungen, aber auch vom Nachtatverhalten, also etwa einer Entschuldigung, einer Aussöhnung oder einer Schadenswiedergutmachung, ab.Darüber hinaus ist von Bedeutung, ob der Beschuldigte Ersttäter oder Wiederholungstäter ist, oder ob die Tat während laufender Bewährung begangen worden ist.

Auch der Versuch einer Körperverletzung ist strafbar, wobei die Strafe in diesen Fällen in aller Regel gemildert wird.

Unter Umständen kann auch eine Einstellung des Verfahrens erreicht werden. Diese hat den Vorteil, dass dann keine Eintragung im Führungszeugnis erfolgt. Eine Einstellung kann z.B. dadurch erreicht werden, dass eine Schadenswiedergutmachung mit dem Verletzten angestrebt wird (Täter-Opfer-Ausgleich).

Erfolgt eine Eintragung im Führungszeugnis

Ein Eintrag im Führungszeugnis findet nur statt, wenn – bei einer Erstverurteilung – eine Strafe von mehr als 90 Tagessätzen bzw. 3 Monaten Freiheitsstrafe ausgesprochen wird. Erfolgt eine Verurteilung, die unter diesen Grenzen liegt oder wird das Verfahren eingestellt, findet keine Eintragung statt.

Verjährung

Die einfache Körperverletzung verjährt nach § 78 Abs. 3 Nr. 4 StGB nach 5 Jahren.

Strafantrag

Die „leichte Körperverletzung“ wird nach § 230 StGB nur verfolgt, wenn das Opfer einen Strafantrag gestellt hat. Allerdings kann die Staatsanwaltschaft auch das “ besondere öffentliche Interesse an der Strafverfolgung“ bejahen, und in diesem Fall auch ohne Strafantrag das Ermittlungsverfahren fortführen und schließlich Anklage erheben.

In § 230 Abs. 1 StGB heißt es hierzu:

Die vorsätzliche Körperverletzung nach § 223 und die fahrlässige Körperverletzung nach § 229 werden nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, daß die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

Erfahrungsgemäß bejahen die Ermittlungsbehörden nahezu routinemäßig das Vorliegen des besonderen öffentlichen Interesses.

Was ist eine gefährliche Körperverletzung?

Die gefährliche Körperverletzung ist in § 224 geregelt.
Diese Form der Deliktsbegehung zeichnet sich dadurch aus, dass der Täter zu besonders verwerflichen Tatmitteln greife – etwa der Verabreichung von Gift oder die Nutzung von gefährlichen Werkzeugen.
Die gefährliche Körperverletzung wird mit einer Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten geahndet.
 

Was ist eine schwere Körperverletzung?

Die schwere Körperverletzung ist in § 226 geregelt. Anders als die gefährliche Körperverletzung knüpft die diese Deliktsform nicht an die Tathandlung sondern an die besonders schweren Tatfolgen an. Eine schwere Körperverletzung liegt daher vor, wenn der Verletzte ein Bein oder einen Finger verliert, oder blind wird.

Bei vorsätzlichem Handeln droht dem Täter eine Freiheitsstrafe von nicht unter drei Jahren.

Weitere Informationen zur schweren Körperverletzung

Was ist eine fahrlässige Körperverletzung?

Eine Körperverletzung kann nicht nur vorsätzlich (also mit Wissen und Wollen), sondern auch aus Fahrlässigkeit begangen werden. Auch diese Begehungsform ist nach § 229 StGB als fahrlässige Körperverletzung strafbar.

Die fahrlässige Körperverletzung kommt insbesondere bei Verkehrsunfällen, bei denen in aller Regel immer Verletzungen eintreten, in Betracht.

Weitere Informationen zur fahrlässigen Körperverletzung

Was ist eine Körperverletzung mit Todesfolge?

Möglich ist auch, dass das Opfer infolge einer Körperverletzung verstirbt, ohne dass der Beschuldigte den Tod gewollt hat. Dieser Tatbestand ist unter § 227 StGB als Körperverletzung mit Todesfolge strafbar.

Diese Deliktsform kann z.B. bei eskalierten Schlägereien vorkommen, bei denen der Täter zwar eine Verletzung der Beteiligten in Kauf genommen hat, nicht aber die Tötung des Anderen verursachen wollte.

Weitere Informationen zur Körperverletzung mit Todesfolge

Was ist eine Körperverletzung im Amt?

Eine besondere Strafschürfung setzt die Körperverletzung im Amt nach § 340 StGB.

Danach macht sich strafbar, wer als Amtsträger (Polizist, Richter, Staatsanwalt, Gerichtsvollzieher) während seiner Dienstausübung eine Körperverletzung begeht.

Weitere Informationen zur Körperverletzung im Amt

Anzeige wegen Körperverletzung: Was kann ich tun?

Ihnen wird eine Körperverletzung vorgeworfen. Sie haben eine Anzeige, also eine Vorladung, einen Strafbefehl oder eine Anklage erhalten?

Der Tatvorwurf der Körperverletzung sollte nicht „auf die leichte Schulter“ genommen werden. Es drohen erhebliche Strafen und einschneidende persönliche Nachteile. Außerdem kann den Ermittlungsbehörden nur mit einem Verteidiger auf Augenhöhe begegnet werden. 

Die Kanzlei KUJUS Strafverteidigung ist ausschließlich im Strafrecht tätig und auf die Strafverteidigung spezialisiert. Gern stehen wir Ihnen im gesamten Strafverfahren zur Seite

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