Raub – §§ 249 – 251 StGB

Man kennt ihn aus Zeitung und Film: den Raub. In Blockbustern handelt es sich bei Räubern gern mal um eine Gruppe schwer bewaffneter Personen, die eine Bank überfallen. Fernab von Hollywood und weniger spektakulär kommt der Raub in Deutschland in vielen Formen vor.

Der Raub findet sich als Straftat in § 249 StGB. Dort ist normiert:

(1) Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.
 
(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Was ist ein Raub?

Das Gesetz definiert den Raub als die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache mittels Gewalt oder unter Anwendung von Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben. Ferner bedarf es der Absicht, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen.

Vereinfacht ausgedrückt, ist der Raub also eine Mischung aus einem Diebstahl und einer Gewaltanwendung oder einer Drohung gegenüber dem Opfer.

Allerdings bedarf es zur Bejahung eines Raubs der sogenannten „finalen Verknüpfung“. Das bedeutet: Das Nötigungsmittel (also Gewalt oder Drohung) muss gerade dazu eingesetzt werden, die Wegnahme zu ermöglichen.

Wie schwierig die Abgrenzung im Einzelnen sein kann, sollen folgende Beispiele verwirklichen:

Eine Person entreißt einem Passanten die Handtasche. Nun kommt es auf die Details des Vorgangs an. Leistet der Passant Widerstand z.B. indem er die Handtasche derart festhält, dass dieser nur durch das Wegreißen gebrochen werden kann, liegt ein Raub vor. Entwendet der Täter die Handtasche mittels Schnelligkeit ohne, dass es zu einem Widerstand beim Opfer kommt, handelt es sich um Diebstahl.

Ebenso problematisch ist die Abgrenzung zwischen einem Raub und einer räuberischen Erpressung. Die Rechtsprechung stellt hier letztlich auf das äußere Erscheinungsbild ab. Liegt nach dem äußeren Erscheinungsbild ein „Nehmen“ durch den Täter vor, handelt es sich um Raub. Sieht es nach dem äußeren Erscheinungsbild eher nach einem „Geben“ des Opfers aus, dann handelt es sich um eine räuberische Erpressung – selbst dann, wenn das „Geben“ letztlich allein aus Furcht und Angst, oder das „Nehmen“ allein aufgrund einer Schockstarre erfolgt.

Raub: Strafe und Verjährung

Die Strafe für einen Raub beträgt Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr. Eine Geldstrafe ist nicht möglich!

Die konkrete Strafe ist von vielerlei Faktoren abhängig – Etwa der Art der Gewaltanwendung, dem Nachtatverhalten des Beschuldigten und möglichen Vorstrafen.

Da es sich bei dem Straftatbestand des Raubes um ein Verbrechen handelt, ist dem Angeklagten zwingend ein Pflichtverteidiger beizuordnen.

Die Tat verjährt gemäß § 78 Abs. 3 Nr. 2 StGB erst mach 20 Jahren.

Qualifikationen des Raubes

Noch härter wird ein Raub in besonders schweren Konstellationen bestraft.

Möglich sind der „schwere Raub“ in § 250 StGB sowie der „Raub mit Todesfolge“ in § 251 StGB.

Schwerer Raub

Der schwere Raub findet sich § 250 StGB.

Aufgrund der Art der zusätzlichen Tabestandsmerkmale, die sich auch in der unterschiedlichen Höhe der Strafandrohung widerspiegeln, spricht man hinsichtlich des § 250 Abs. 1 StGB von einem schweren Raub und hinsichtlich § 250 Abs. 2 StGB von einem besonders schweren Raub.

Die Vorschrift liest sich wie folgt:

(1) Auf Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren ist zu erkennen, wenn

1. der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub
a) eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt,
b) sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden,
c) eine andere Person durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringt oder
2. der Täter den Raub als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds begeht.

(2) Auf Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub

1. bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet,
2. in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 2 eine Waffe bei sich führt oder
3. eine andere Person
a) bei der Tat körperlich schwer mißhandelt oder
b) durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt.
(3) In minder schweren Fällen der Absätze 1 und 2 ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.
Voraussetzung für einen schweren Raub, ist zunächst das Vorliegen eines „einfachen“ Raubs nach § 249 StGB, eines räuberischen Diebstahls nach § 252 StGB oder einer räuberischen Erpressung nach  § 255 StGB.

Tritt zu dem Grundtatbestand, also etwa dem „einfachen“ Raub, nunmehr ein besonderer Umstand aus § 250 StGB hinzu, handelt es sich um einen schweren Raub.

Schwerer Raub nach § 250 Abs. 1 StGB

Die in § 250 Abs. 1 StGB genannten besonderen Umstände beinhalten etwa das Bei-sich-Führen von Waffen und anderen gefährlichen Werkzeugen.

Hierunter fällt so ziemlich alles, was nach der konkreten Art der Verwendung dazu geeignet ist, erhebliche Verletzungen herbeizuführen. Das bedeutet, dass letztlich Pistolen und Messer ebenso von der Vorschrift umfasst sind wie unscheinbarerer „Werkzeuge“ wie Schraubendreher oder ein Stift. 



Die Waffe oder das gefährliches Werkzeug muss nicht eingesetzt werden. Demnach reicht es völlig aus, wenn es sich in Griffweite des Täters oder eines Beteiligten befindet. Insbesondere dieser Punkt war und ist immer wieder Gegenstand gerichtlicher Verfahren, da diese Norm zu einer uferlosen Strafbarkeit führen kann. 

Auch der Bandenraub stellt einen schweren Raub dar. Von einer Bande spricht man, soweit sich mindestens drei Personen mit dem Willen verbunden haben, für eine gewisse Dauer mehrere Straftaten zu begehen.

Nach § 250 Abs. 1 Nr. 1 lit. b StGB ist ferner jedes andere Mittel umfasst, welches der Täter bei sich führt um den Widerstand einer Person zu brechen. Soweit eine Person während der Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung gebracht wird, handelt es sich ebenfalls um einen schweren Raub.

Besonders schwerer Raub nach § 250 Abs. 2 StGB

Soweit eine mitgeführte Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug auch verwendet wird, handelt es sich um einen besonders schweren Raub.
 
Das bedeutet nicht, dass es zu Verletzungen kommen muss. Von dieser Variante sind Schüsse zur Einschüchterung genauso umfasst wie zweckgerichtete Drohungen. Wird eine Person während des Raubes körperlich schwer misshandelt oder in die Gefahr des Todes gebracht, liegt ebenfalls ein besonders schwerer Raub vor.
 
Ein besonders schwerer Raub liegt ferner in Fällen vor, in der Raub durch eine Bande begangen wird und ein Bandenmitglied eine Waffe bei sich führt.

Strafandrohung

Ein schwerer Raub nach § 250 Abs. 1. StGB wird mit Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren, ein besonders schwerer Raub nach § 250 Abs. 2 StGB mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren geahndet. 

Im Falle einer Verurteilung ist daher keine Bewährungsstrafe mehr möglich.

Raub mit Todesfolge

Das Strafgesetzbuch kennt ferner den Raub mit Todesfolge. Dieser findet sich in § 251 StGB und lautet folgendermaßen:

Verursacht der Täter durch den Raub (§§ 249 und 250) wenigstens leichtfertig den Tod eines anderen Menschen, so ist die Strafe lebenslange Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren.

Voraussetzung ist zunächst, dass ein Raub (oder eine räuberische Erpressung) als Grundtatbestand vorliegt. Es reicht allerdings schon eine Versuchstat aus.

Ferner muss der Tod eines anderen Menschen eingetreten sein und dies wiederum mindestens durch Leichtfertigkeit des Täters. Bei dieser Qualifikation muss sich ein spezifisches Risiko der Tat in dem Tod eines Menschen verwirklicht haben.

Die Strafandrohung bei einem Raub mit Todesfolge liegt bei mindestens zehn Jahren bis hin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

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