Tod bei Schaukampf – Urteil im Fall „Maurice“

Dass sich Jugendliche raufen und – in härteren Fällen – zu einer Schlägerei verabreden, ist Alltag. Leider kann so eine Rauferei eskalieren und schwerwiegende Folgen für alle Beteiligten haben – persönlich wie stafrechtlich.

Verschiedenste Zeitungen informierten kürzlich über den Ausgang des Fall „Maurice“. Das Landgericht Passau hatte in dem medienwirksamen Fall die Strafen der Angeklagten verkündet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Nachfolgend soll kurz erläutert werden, um welche Straftatbestände es in diesem Fall eigentlich ging.

Worum geht es überhaupt? 

Im April 2018 hatten sich der 15-jährige Maurice und ein weiterer 16-Jähriger (B) verabredet, um bei einem Kampf „Eins gegen Eins“ die Fäuste sprechen zu lassen.

An dem verabredeten Ort tauchten gut 20 weitere Jugendliche und junge Erwachsene auf, um dem „Spektakel“ beizuwohnen. Der Kampf zwischen Maurice und B begann wie abgesprochen, wobei B zu Boden gegangen sein soll.

Laut Zeugenaussagen soll Maurice versucht haben, dem am Boden liegenden B mit Tritten zu traktieren. Daraufhin sollen mehrere Personen in das Geschehen eingegriffen haben. Ein 17-jähriger (C) soll Maurice einen Faustschlag versetzt haben. Ein Cousin (D) von B sprang Maurice von hinten an, was zu guter Letzt einen weiteren Cousin von B, den 25 Jahre alten E, dazu veranlasste, Maurice zwei Faustschläge mitzugeben. Einer davon soll Maurice heftig an der Schläfe getroffen haben.

Anschließend soll B erneut auf Maurice eingeschlagen haben.

Zwar soll Maurice noch selbstständig zu einer Treppe gelaufen sein, um sich dort hinzusetzen. Beim Versuch wieder aufzustehen, sei er zusammengebrochen. Wiederbelebungsversuche waren nicht erfolgreich Kurze Zeit später verstarb Maurice.

Wie kam es zum Tod von Maurice? 

In dem darauffolgenden Strafverfahren war zunächst die Frage zu klären, wie es überhaupt zum Tod von Maurice kam.

Laut einer Sachverständigen sei Maurice an eingeatmeten Blut erstickt. Eine Obduktion ergab einen mehrfachen Nasenbeinbruch als mögliche Quelle des Blutes. Das Landgericht sah sich davon überzeugt, dass zudem ein Schädel-Hirntrauma zu einer Aussetzung des Hustenreflexes bei Maurice führte und dieser das eingeatmete Blut daher nicht mehr aushusten konnte. 

Welche Straftaten kennt das Gesetz in einem solchen Fall? 

Kommt es zum Tod einer Person nach einer Auseinandersetzung, sind eine ganze Reihe von Straftatbeständen denkbar. Aufgabe des Gerichts ist es festzustellen, welche Straftatbestände schlussendlich erfüllt worden sind. Welche Straftaten im geschilderten Fall in Betracht kommen könnten und warum einige davon schlussendlich nicht vorlagen, soll nachfolgend vereinfacht dargestellt werden. 

Totschlag

Kommt ein Mensch aufgrund des Handelns anderer zu Tode, vermag man grundsätzlich an einen Totschlag denken. Dieser findet sich in § 212 StGB. Die Vorschrift lautet:

(1) Wer einen Menschen tötet, ohne Mörder zu sein, wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.
(2) In besonders schweren Fällen ist auf lebenslange Freiheitsstrafe zu erkennen.

Allerdings setzt der Straftatbestand des Totschlages ein vorsätzliches Handeln voraus. Der Täter muss den Tod eines anderen Menschen „gewollt“, zumindest aber „in Kauf genommen“ haben.

Im vorliegenden Fall ging es trotz des tragischen Ausganges um eine Prügelei. Es lässt sich wohl keinem der Beteiligten unterstellen, dass der Eintritt des Todes gewollt war.

Es fehlt also am Tötungsvorsatz und mithin an einer Strafbarkeit.

Gefährliche Körperverletzung

Die gefährliche Körperverletzung nach § 224 StGB ist eine Qualifikation der einfachen Körperverletzung aus § 223 StGB. Eine einfache Körperverletzung verlangt dabei eine körperliche Misshandlung oder eine Gesundheitsschädigung.

Wird die Körperverletzung durch eine gefährliche Art der Ausführung begangen, wie diese in § 224 Abs. 1 Nr. 1 – 5 StGB genannt sind, erhöht sich die Strafandrohung auf sechs Monate bis zu zehn Jahre. 

Folgende Begehungsweisen sind in § 224 StGB genannt: 

Wer die Körperverletzung 

1. durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen,

2. mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs,

3. mittels eines hinterlistigen Überfalls,

4. mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich oder

5. mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung

begeht, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft. 

Im Fall Maurice hat as Landgericht die Tatvarianten „gemeinschaftlich“ (Nr. 4) und „mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung“ (Nr. 5) als erfüllt angesehen.

Körperverletzung mit Todesfolge 

Verursacht der Täter durch die Körperverletzung (§ 223 bis 266a) den Tod der verletzten Person, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren. 

Tritt nach einer vorsätzlichen Körperverletzung durch Fahrlässigkeit der Tod eines Menschen ein, kommt eine Körperverletzung mit Todesfolge in Betracht.

Im Fall Maurice kam es zwar zu einem Todesfall aufgrund der zuvor zugefügten Körperverletzungen, es konnte allerdings nicht mit der für eine Verurteilung hinreichenden Sicherheit festgestellt werden, wessen Verhalten schlussendlich die tödliche Folge bewirkt hat. Daher konnte im Ergebnis auch keiner der Angeklagten wegen einer Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt werden. 

Fahrlässige Tötung 

Hinsichtlich des Totschlags fehlte es an einem Tötungsvorsatz. Eine Strafbarkeit wegen Körperverletzung mit Todesfolge konnte das Gericht gegenüber den Angeklagten gemäß dem Grundsatz „in dubio pro reo“ nicht aussprechen. Da sowohl Totschlag, als auch die Körperverletzung mit Todesfolge ausschieden, blieb noch die fahrlässige Tötung.

Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. 

Die fahrlässige Tötung wurde in diesem Fall für den Angeklagten E bejaht. Nach Überzeugung des Gerichts war E zwar nicht nachzuweisen, dass er die Blutungen verursachte, die zum Ersticken von Maurice führten. Allerdings wurde Maurice durch einen Schlag von E verteidigungsunfähig und er hätte damit rechnen müssen, dass B nochmals auf das Opfer losgeht. 

Beteiligung an einer Schlägerei 

Letztlich kommt noch eine Strafbarkeit wegen der Beteiligung an einer Schlägerei für alle Angeklagten in Betracht.

Geregelt ist die Beteiligung an einer Schlägerei in § 231 StGB. Unter einer Schlägerei wird dabei ein Streit mindestens dreier Personen mit gegenseitigen Körperverletzungen verstanden. Verlangt ist die Beteiligung selbst sowie der Eintritt einer besonders schweren Folge, die auf der Schlägerei oder dem Angriff beruht. Als schwere Folge nennt § 231 StGB den Tod eines Menschen oder eine schwere Körperverletzung im Sinne des § 226 StGB.

Das Landgericht sah den Straftatbestand der Beteiligung an einer Schlägerei bei allen Angeklagten als erfüllt an.  

Wie hat das Gericht entschieden? 

Hinsichtlich des Angeklagten B, mit dem sich Maurice ursprünglich verabredet hatte, erkannte das Gericht auf ein Jahr und neun Monate Jugendstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung, Beteiligung an einer Schlägerei und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. B hatte sich im Anschluss an die Prügelei noch den eintreffenden Polizisten widersetzt. 

Die Jugendlichen C und D haben je ein Jahr Jugendstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung und Beteiligung an einer Schlägerei erhalten. Die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Der Angeklagte E erhielt Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Er wurde unter anderem der fahrlässigen Tötung und der gefährlichen Körperverletzung für schuldig befunden. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sobald uns zu diesem Verfahren weitere Informationen vorliegen, werden wir den Artikel entsprechend anpassen.

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