Verurteilungen in Deutschland leicht zurückgegangen

Nach der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2017 ist die Zahl der Verurteilten in Deutschland wieder etwas zurückgegangen. So sind 2017 rund 716.000 Personen rechtskräftig von deutschen Gerichten verurteilt worden. Im Vergleich zum Vorjahr waren das 21.800 Personen weniger. In Prozent ausgedrückt, gab es also ca. 3 % weniger Verurteilungen.

Was die Statistik erfasst

Von der Statistik erfasst sind rechtskräftige Urteile nach einem Hauptverfahren und rechtskräftige Strafbefehle. Wurden mehrere Taten in einem Verfahren abgeurteilt, wird die verurteilte Person nur hinsichtlich der Tat, die gesetzlich mit der schwersten Strafe bedroht ist, erfasst. Wurde eine Person in mehreren Verfahren verurteilt, wird diese für jedes Verfahren gesondert gezählt.

Die Zahl der Verurteilungen spiegelt dabei freilich nicht die Gesamtzahl der (Straf-) gerichtlichen Verfahren wieder. Die Zahl der abgeurteilten Verfahren beinhaltet beispielsweise auch Freisprüche oder Einstellungen und ist entsprechend höher[1]. Ebenso wenig lässt sich von der Anzahl der Verurteilungen auf die Zahl der Ermittlungsverfahren schließen. Denn die Staatsanwaltschaften in Deutschland schließen jährlich mehrere Millionen Ermittlungsverfahren ab (2017: 4,9 Mio.). Naturgemäß mündet lediglich ein Teil davon in Anklageschriften.

Da lediglich rechtskräftige Verurteilungen erfasst werden, sind noch andauernde Prozesse ebenso wenig in der Statistik enthalten, wie Urteile gegen die ein Rechtsmittel eingelegt wurde.

Verhängte Strafen

Bei dem absolut überwiegenden Teil der Verurteilungen wurden Geldstrafen ausgesprochen. In concreto wurden 552.000 Personen (mithin 77,1 % der Verurteilungen) zu einer Geldstrafe verurteilt. Auf Freiheitsstrafe oder Strafarrest wurde bei 104.400 Personen (14,6 % der Verurteilungen) entschieden.

Für weitere 59.700 Personen (8,3 %) haben die Gerichte Jugendstrafrecht angewandt. Von den letztgenannten haben 9.700 Personen eine Jugendstrafe erhalten (Freiheitsentzug in einer Jugendstrafanstalt). Bei weiteren 42.500 Personen wurden Zuchtmittel verhängt und bei den restlichen 7.500 Personen haben die Jugendgerichte Erziehungsmaßregeln ausgesprochen.

Verurteilte Straftaten

Von den ca. 716.000 verurteilten Straftaten handelte es sich um rund 159.000 Verkehrsdelikte (ca. 108.000 nach dem Strafgesetzbuch und 50.000 nach dem Straßenverkehrsgesetz). Unter Ausklammerung der Verkehrsdelikte betrafen etwa 451.000 weitere Verurteilungen Straften nach dem Strafgesetzbuch (StGB) und grob 105.000 Verurteilungen sonstige Strafgesetze (WaffG, BtMG etc.) 

Davon im Einzelnen:

  • etwa 25.000 wegen Straftaten nach dem 14. Abschnitt des StGB (Beleidigung)
  • etwa 22.000 wegen Straftaten gegen Staat, öffentliche Ordnung und im Amt
  • 762 wegen Straften gegen das Leben (Mord und Totschlag)
  • etwa 65.000 wegen Körperveletzungsdelikten
  • etwa 149.500 wegen Diebstahl und Unterschlagung
  • etwa 144.800 wegen Betrug und Untreue
  • etwa 7.200 Straften gegen die sexuelle Selbstbestimmung (Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung etc.)
  • etwa 7.200 Straftaten wegen Raub und ähnlicher Taten
  • etwa 4.000 wegen Begünstigung und Hehlerei
  • etwa 20.700 wegen Urkundenfälschung
  • etwa 6.700 wegen Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz (AufenthG)
  • etwa 60.000 wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG)

Gesamtentwicklung verurteilter Straftaten

Die Jahresstatistik wird seit 2007 für die gesamte Bundesrepublik erhoben (zuvor nur für das alte Bundesgebiet). Dabei lässt sich jedes Jahr ein leichter Rückgang der Gesamtzahl der Verurteilungen beobachten. So gab es im Jahr 2007 insgesamt noch 897.631 rechtskräftige Verurteilungen. Im Jahr 2010 waren es noch 813.266 Verurteilungen und im Jahr 2014 belief sich die Zahl auf 748.782, hin zu den 716.044 verurteilten Personen in 2017.

Hinsichtlich der einzelnen Deliktsgruppen gehen die Zahlen, entsprechend des Gesamtrückgangs der Verurteilungen, jeweils leicht zurück. Eine Ausnahme bilden etwa Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und anderen (Straf-) Nebengesetzen. Diese sind im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen.

Eine Zunahme der Verurteilungen und zugleich der Zahl der insgesamt Abgeurteilten Verfahren ließ sich zuletzt im Zeitraum zwischen 2000 und 2005 für das frühere Bundesgebiet beobachten (2000: ca. 732.000 Verurteilungen; 2005 ca. 780.000 Verurteilungen).

Das Verhältnis zwischen Abgeurteilten Strafverfahren und Verurteilungen ist in den letzten Jahren relativ konstant. So sind zwischen 81% und 82% aller abgeurteilten Verfahren eine Verurteilung.

[1]das gerichtliche Verfahren endete 2017 für ca. 159.200 Personen nicht mit einer Verurteilung

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