Misshandlung von Schutzbefohlenen

Die Misshandlung von Schutzbefohlenen stellt eine Straftat dar. Nicht zu Verwechseln ist die Misshandlung von Schutzbefohlenen mit dem sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen in § 174 StGB.

Die Mißhandlung von Schutzbefohlenen wird in § 225 StGB geregelt. Die Vorschrift lautet:

(1) Wer eine Person unter achtzehn Jahren oder eine wegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlose Person, die

1. seiner Fürsorge oder Obhut untersteht,
2. seinem Hausstand angehört,
3. von dem Fürsorgepflichtigen seiner Gewalt überlassen worden oder
4. ihm im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses untergeordnet ist,

quält oder roh mißhandelt, oder wer durch böswillige Vernachlässigung seiner Pflicht, für sie zu sorgen, sie an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.
 

(3) Auf Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr ist zu erkennen, wenn der Täter die schutzbefohlene Person durch die Tat in die Gefahr

1. des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung oder
2. einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung

bringt.

(4) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen des Absatzes 3 auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren zu erkennen.

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Wer ist Schutzbefohlener?

Der geschützte Personenkreis umfasst Kinder und Jugendliche, wie auch aufgrund von Krankheit und Gebrechlichkeit wehrlose Personen. Aufgrund von Gebrechlichkeit wehrlose Personen, sind Personen mit eingeschränkter körperlicher Bewegungsfähigkeit, etwa infolge Alters und Behinderung. Die Wehrlosigkeit kann auch auf einer übermäßigen Alkoholisierung oder Bewusstlosigkeit beruhen.

Voraussetzung von § 225 StGB ist eine besondere Beziehung zwischen Täter und Opfer, in der Überschrift knapp als Schutzbefohlener bezeichnet. Der Täter muss demnach eine Sorgepflicht gegenüber dem Opfer haben.  Die Vorschrift in § 225 StGB nennt vier Fallgruppen.

Täter-Opfer-Verhältnis

Nach § 225 Abs. 1 Nr. 1 StGB muss der Verletzte der Fürsorge oder Obhut des Täters unterstehen. Unter Fürsorge wird die Verpflichtung für das leibliche oder geistige Wohl verstanden. Diese kann sich aus Gesetz, behördlichem Auftrag oder Vertrag ergeben. Obhut ist die Pflicht zur unmittelbaren, körperlichen Beaufsichtigungen. Fürsorge- oder Obhutsverhältnisse sind insbesondere bei Eltern, Pflegeeltern, Betreuern, diversen Beamten, Angestellten in Pflegeheimen oder Babysittern gegeben.

Ein weiterer Fall bei dem der Täter eine Sorgepflicht im Sinne von § 225 StGB gegenüber dem Opfer innehat, ist die Zugehörigkeit des Opfers zum Hausstand des Täters. Dem Hausstand gehört an, wer zur Hausgemeinschaft gehört, ohne den Hausstand innezuhaben. Dies umfasst beispielsweise Au-pair-Mädchen, Kinder, Stiefkinder, minderjähriges Hauspersonal und Auszubildende, aber auch Pflegebedürftige Personen.

Ferner umfasst sind nach § 225 Abs. 1 NR. 3 STGB jene Fälle, in denen das Opfer vom Fürsorgepflichtigen der Gewalt des Täters überlassen worden sind. Ein Beispiel hierfür wäre etwa die kurzzeitige Unterbringung eines Kindes bei einem Nachbarn.

Die letze Fallgruppe (§ 225 Abs. 1 Nr 4 StGB) behandelt die Unterordnung im Rahmen eines Dienst- oder Arbeitsverhältnisses. Damit gemeint sind Arbeitnehmer- und arbeitnehmerähnliche Verhältnisse. Möglicher Täter können nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Abteilungsleiter und ähnliche Personen sein.

Mögliche Täter nach § 225 StGB können somit beispielsweise folgende Personengruppen sein:

  • Lehrer 
  • Betreuer 
  • Pflegekräfte 
  • Eltern 
  • Babysitter 
  • Arbeitgeber usw. 

Was ist unter einer Misshandlung zu verstehen?

Tathandlung nach § 225 StGB ist die Misshandlung, aber auch Quälen eines Schutzbefohlenen oder dessen böswillige Vernachlässigung.

Eine Misshandlung ist jedwede Handlung, durch die der Täter das körperliche Wohlbefinden oder die Unversehrtheit einer Person in nicht unerheblichem Maße beeinträchtigt. Neben rein physischen Misshandlungen können auch psychische Misshandlungen hierunter fallen, wenn diese nicht nur die Psyche eines Schutzbefohlenen betreffen, sondern sich auch physisch auswirken. Beispiele solcher physischer Auswirkungen sind beispielsweise das Einnässen oder Schlaflosigkeit durch psychische Angststörungen.  Unter Quälen wird das Verursachen von länger dauernden oder sich wiederholenden Schmerzen oder Leiden verstanden. Eine Vernachlässigung ist böswillig, wenn diese aus verwerflichen, insbesondere eigensüchtigen Beweggründen (zum Beispiel Hass oder Sadismus) geschieht.

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Strafe

Die Straftat wird mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren geahndet. Bei einem minder schweren Fall, folgt Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu 5 Jahren. Die Tat verjährt nach 10 Jahren (§ 78 Abs. 3 Nr. 3 StGB). Auch der Versuch ist strafbar. 

Strafe bei Qualifikation

In § 225 Abs. 3 StGB finden sich Qualifikationstatbestände zur „einfachen“ Misshandlung von Schutzbefohlenen. Es droht eine erhöhter Strafrahmen. Genannt sind die Fälle, in denen der Täter die schutzbefohlene Person durch die Tat in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung der körperlichen oder seelischen Entwicklung bringt. Eine schwere Gesundheitsbeschädigungen liegt bei einer Gesundheitsschädigung vor, die mit einer anhaltenden Beeinträchtigung der physischen oder psychischen Leistungsfähigkeit verbunden ist oder in einer lebensbedrohenden, qualvollen oder ernsten und langwierigen Krankheit besteht. Eine erhebliche Entwicklungsschädigung liegt vor, wenn die normale körperliche oder psychische Entwicklung andauernd und nachhaltig gestört ist. So zum Beispiel bei einer posttraumatischen Belastungsstörung oder bei einer durch Trauma bedingten Persönlichkeitsstörung und nachhaltigen Wirkungen für die Lebensführung.

Bei der Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung oder einer erheblichen Schädigung ist auf Freiheitsstrafe zwischen einem und fünfzehn Jahren zu erkennen.

Die konkrete Strafe im Einzelfall hängt von der Art der Tatbegehung, der Schwere und Intensität der Rechtsgutverletzung, aber auch vom Nachtatverhalten, also etwa einer Entschuldigung, einer Aussöhnung oder einer Schadenswiedergutmachung, ab.

Anzeige wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen?

Ihnen wird eine Misshandlung von Schutzbefohlenen vor geworfen. Sie haben eine Anzeige, also eine Vorladung, einen Strafbefehl oder eine Anklage erhalten?

Bei dem Tatvorwurf der Misshandlung von Schutzbefohlenen geht es um kein Kavaliersdelikt. Es drohen erhebliche Strafen und einschneidende persönliche Nachteile.

Die Kanzlei KUJUS Strafverteidigung ist ausschließlich im Strafrecht tätig und auf die Strafverteidigung spezialisiert. Gern stehen wir Ihnen im gesamten Strafverfahren zur Seite.

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