Verjährung von Straftaten

Die Verjährung ist den meisten Leuten aus dem Zivilrecht bekannt. Wartet man zulange damit eine Forderung geltend zu machen, kann es sein, dass sich die Gegenpartei auf die Verjährung beruft. Aber auch das Strafrecht kennt eine Verjährung. Die strafrechtliche Verjährung hat dabei freilich nichts mit der zivilrechtlichen Verjährung zu tun. Bei der strafrechtlichen Verjährung geht es gerade nicht um die Geltendmachung von Ansprüchen eines Geschädigten einer Straftat. Vielmehr geht es darum, wie lange eine Tat verfolgt werden, oder eine verurteilte Tat vollstreckt werden kann. 

Auch Straftaten können verjähren

Ist eine Straftat verjährt verzichtet der Staat auf die Ausübung seiner Strafgewalt. Man spricht in diesem Zusammenhang von der Strafverfolgungsverjährung. Dabei gibt es keine allgemeine Verjährungsfrist, die für alle Straftaten gleichermaßen gilt. Vielmehr wird bei der strafrechtlichen Verjährung auf die im Höchstmaß zu erwartende Strafe abgestellt. Da das deutsche Strafrecht auch nicht auf Gedanken wie Rache sondern primär auf Zielen wie Resozialisierung und Prävention basiert, „verjähren“ letztlich auch Straftaten. Nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums nach einer Tat, wird davon ausgegangen, dass es keiner Prävention mit den Mitteln des Strafrechts mehr bedarf.  

Fristen in der Strafverfolgungsverjährung

Die Fristen der Strafverfolgungverjährung sind in § 78 StGB geregelt. Die Länge der Verjährungsfrist richtet sich nach dem angedrohten Strafmaß der jeweiligen Straftat. Daher verjähren Vergehen in der Regel schneller als Verbrechen. Aber auch unter den Vergehen und Verbrechen gibt es unterschiedliche Verjährungsfristen. 

Die Fristen im Einzelnen

Das Strafgesetzbuch kennt folgende Verjährungsfristen für die Strafverfolgung:

  • Lebenslange Höchststrafe: 30 Jahre Verjährungsfrist
  • mehr als 10 Jahre Höchststrafe: 20 Jahre Verjährungsfrist
  • mehr als 5 Jahre Höchststrafe: 10 Jahre Verjährungsfrist
  • mehr als 1 Jahr bis 5 Jahre Höchststrafe: 5 Jahre Verjährungsfrist
  • 1 Jahr Höchststrafe oder darunter: 3 Jahre Verjährungsfrist

Strafverfolgungsverjährung: Beispiele

Bei einen einfachen Hausfriedensbruch verjährt die Tat in drei Jahren. Der einfache Hausfriedensbruch wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet. Da bei einer Verurteilung nur ein Jahr Freiheitsstrafe im Höchstmaß erfolgen kann, ordnet § 78  Abs. 3 Nr. 5 StGB eine Verjährung der Verfolgung nach 3 Jahren an. 

Weitere Beispiele für eine Verjährung von drei Jahren sind: 

 

Eine einfache Körperverletzung verjährt indes erst nach 5 Jahren, da diese mit höchstens fünf Jahren Freiheitsstrafe bestraft wird. 

Weitere Bespiele für eine Verjährung von fünf Jahren sind: 

 

Handelt es sich aber um eine gefährliche Körperverletzung beträgt das Strafmaß Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren. Die Verfolgungsverjährung tritt daher erst nach 10 Jahren ein. 

Weitere Bespiele für eine Verjährung von zehn Jahren sind:

 
Ein Totschlag verjährt erst nach 20 Jahren. Der Totschlag wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren geahndet. Zwar nennt das Gesetz in § 212 StGB keine Höchststrafe, diese beträgt diesem Falle aber nach § 38 StGB 15 Jahre. 
 
Weitere Bespiele für eine Verjährung von zwanzig Jahren sind:
 

Bei einem Raub mit Todesfolge beträgt die Verjährungsfrist 30 Jahre, denn § 251 StGB nennt ausdrücklich die lebenslange Freiheitsstrafe. 

Ein weiteres Beispiel für eine Verjährung nach 30 Jahren ist die Brandstiftung mit Todesfolge, § 306c StGB. 

Hemmung der Verjährung

Bei der Strafverfolgungsverjährung kann in bestimmten Fällen eine Verjährungsunterbrechung eintreten (Hemmung), d. h. die Frist läuft nicht weiter. Dies kann sein aufgrund einer Mitteilung an den Beschuldigten, dass gegen ihn ein Ermittlungsverfahren anhängig ist, oder die erste Beschuldigtenvernehmung, jede Beauftragung eines Sachverständigen durch die Staatsanwaltschaft oder den Richter, jede richterliche Beschlagnahme- oder Durchsuchungsanordnung, einen Haftbefehl, einen Unterbringungs- oder Vorführungsbefehl, die Anklageerhebung, die Eröffnung des Hauptverfahrens, den Erlass eines Strafbefehls. Nach jeder dieser Unterbrechungshandlungen beginnt die Verjährung von neuem. Die endgültige Strafverfolgungsverjährung tritt nach Ablauf der doppelten gesetzlichen Verjährungsfrist ein.

Auch eine „Flucht in die Verjährung“ ist nicht länger möglich. So lief die Verjährungsfrist wenn sich ein Beschuldigter im Ausland aufhielt, selbst dann weiter, wenn die Behörden seine Auslieferung betrieben haben. Mit Gesetzesänderung im Jahr 2005 ist dieser „Fluchtweg“ allerdings versperrt. Betreiben die Strafverfolgungsbehörden die Auslieferung eines im Ausland befindlichen Beschuldigten, so ruht nunmehr die Verjährung der Straftat.

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